Wenn man sich darüber Gedanken macht, möglichst naturnah leben zu wollen, kommt einem zwangsläufig auch die ursprüngliche Lebensweise der Naturvölker in den Sinn, etwa die der nordamerikanischen Ureinwohner. Traditionell wohnten sie einerseits in Dorfgemeinschaften im Wald – zum Beispiel in Langhäusern, Wigwams oder Erdhütten. Und andererseits hausten sie nomadisch in Tipis oder kuppelförmigen Wickiups und folgten den Büffelherden. Sie führten ein einfaches Dasein und lebten von dem, was die Natur ihnen bot, sammelten Beeren und Wurzeln, betrieben Fischfang oder jagten Tiere wegen ihres Fleisches und der Häute. Darüber hinaus hielten sie Hunde, die ihnen als Jagdhelfer, Wächter und Lastenträger dienten, oder Pferde als Pack- und Reittiere.
Mit der Ankunft der weißen Siedler und im Zuge der Entstehung der Vereinigten Staaten und Kanadas wurden die Indianer immer weiter zurückgedrängt, aus ihren angestammten Gebieten vertrieben und in Reservaten angesiedelt. Bis heute konnten sie sich aber einige Aspekte ihrer traditionellen Lebensweise bewahren, ebenso ihre Sprachen. Und sie haben sich im 20. Jahrhundert auch das Recht auf Jagd und Fischfang erkämpft.
Wohnen
In Deutschland wiederum gibt es strenge Gesetze zum Betreten, Wohnen und Bauen auf Wald- und Naturschutzflächen. Einfach ein Zelt oder eine Hütte dauerhaft im Wald aufzustellen, ist illegal. Auch Camping in der Natur ist in Deutschland stark reglementiert. Wildcamping ist meistens verboten und man darf nur auf offiziellen Zeltplätzen sein Lager aufschlagen. Um fischen oder jagen zu können bedarf es einer amtlichen Erlaubnis, und im Prinzip muss man postalisch immer erreichbar sein, sodass selbst ein dauerhaftes Leben auf Rädern – zum Beispiel in einem Van oder Camper – nur sehr eingeschränkt möglich ist.
Wer ein privates Grundstück besitzt oder die Möglichkeit hat, ein solches zu erwerben, kann unter Umständen aber durchaus alternativ in einem Tipi, einer Jurte oder einer einfachen Hütte (Tiny House) leben. Man muss dafür allerdings die Bebauungsvorschriften beachten sowie für einen Wasser- und Stromanschluss sorgen. Inzwischen gibt es auch zahlreiche Tiny-House-Dörfer oder weitgehend autark lebende Communities. Oder aber man sucht nach einer Wohnstätte in der Nähe eines Waldes. Dies erlaubt es, ausgedehnte Wanderungen in der Natur zu unternehmen.
Selbstversorgung
Wie ein Indianer zu leben bedeutet in erster Linie auch, verstärkt auf Selbstversorgung zu setzen. Man kann zum Beispiel Gemüse anbauen, Tiere halten und Feuer machen – aber auch hier gilt es in Deutschland wieder die entsprechenden Vorschriften bezüglich Tierhaltung, Wasser- und Lebensmittelhygiene zu beachten.
Autark leben bedeutet darüber hinaus, möglichst selbst für Wasser und Energie zu sorgen. Man könnte zum Beispiel einen Brunnen bohren oder Regenwasser sammeln und filtern. Vor allem im Gebirge gibt es aber auch zahlreiche natürliche Quellen, und mancherorts findet sich sogar der eine oder andere öffentliche Trinkbrunnen. Mit Solarpanels und Akkus oder auch einer kleinen Windkraftanlage lässt sich Strom erzeugen, der zum Beispiel für Beleuchtung, Warmwasserbereitung, Laptop oder Handy verwendet werden kann. Und für wohlige Wärme im Haus reicht oft schon ein Holzofen, den man vielleicht auch gleich zum Kochen nutzt.
Wer möglichst naturnah und unabhängig leben möchte, kann einen großen Teil seiner Lebensmittel selbst erzeugen. Ein eigener Garten mit Gemüse, Kräutern und Obstbäumen liefert frische und gesunde Nahrung über viele Monate im Jahr. Auch eine kleine Tierhaltung kann zur Selbstversorgung beitragen: Hühner versorgen ihre Halter mit Eiern, während Bienen nicht nur Honig liefern, sondern auch die Bestäubung von Obst- und Gemüsepflanzen fördern. Kaninchen oder Ziegen wiederum liefern Fleisch bzw. Milch. Darüber hinaus bietet die Natur zusätzliche Nahrungsquellen. Wer sich mit der Wildnis auskennt, kann essbare Pilze, Beeren und Wildkräuter sammeln. Voraussetzung dafür ist jedoch ein fundiertes Naturwissen. Dazu gehören das sichere Bestimmen von Pflanzen und Pilzen, Kenntnisse über Wildtiere und ihre Lebensräume, das Einschätzen von Wetter und Jahreszeiten sowie grundlegende Überlebenstechniken. Je besser diese Fähigkeiten entwickelt sind, desto unabhängiger und sicherer lässt sich ein autarkes und selbstbestimmtes Leben mit der Natur gestalten.
Foto von MJ Tangonan auf Unsplash
Ein Kommentar zu „Wie ein Indianer leben“