Als Student und auch später hatte ich die Möglichkeit, einige längere Reisen ins europäische Ausland zu unternehmen. Ich war dreimal über mehrere Wochen in Spanien, einen Monat habe ich jeweils in Portugal und in Rumänien verbracht, und drei Monate in Italien. Damals hatte ich die Vorstellung, ich würde in meinem Leben immer viel reisen, außerhalb Deutschlands unterwegs sein – und da wäre es gut, wenn mein gesamter Besitz beispielsweise in einen Schrankkoffer passt.
Aber wie das Leben eben so spielt, es kam anders. Ich fand Arbeit in Deutschland, lernte jemanden kennen und wurde sesshaft. Mittlerweile bin ich dreimal umgezogen und wohne jetzt mit meiner Freundin in meinem ehemaligen Elternhaus in einem Dorf am Berliner Stadtrand. Als Kind musste ich nur mein kleines Kinderzimmer verwalten – ein Bett, ein paar Regale mit Büchern und Spielzeug, einen Kleiderschrank, eine Kommode, Bürostuhl und Schreibtisch. Aber in meiner ersten eigenen Wohnung kamen Badutensilien, Küchenschränke, Teller, Tassen und Besteck, Bettwäsche, ein Schuhregal, ein Geschirrspüler und eine Waschmaschine hinzu. Und als ich dann mit meiner Freundin zusammenzog, wurde unser Hausstand noch einmal größer.
Heute wohne ich in einem Haus mit zwei Etagen, es gibt einen Wintergarten mit Essbereich, eine voll ausgestattete Küche, ein Bad mit Badewanne, Wäschetrockner, Waschmaschine und Regal. In unserem Schlafzimmer stehen außer dem Bett und zwei Nachtschränkchen ein großer Kleiderschrank, eine Kommode und ein Bücherregal. In einem kleinen Raum habe ich mir mein Büro eingerichtet, mit Regalen, die vollgestopft sind mit Büchern, Aktenordnern, technischen Geräten und allerlei Krimskrams. Im Wohnzimmer stehen außer einer großen Schlafcouch auch Omas alter Sessel, ein runder Tisch mit schwerer Glasplatte, ein Fernsehschrank und ein großes TV-Gerät. Darüber hinaus steht draußen ein Auto, ein altes Sofa für den Hund, in der Wohnung Kratzbaum und Katzenklo.
Ich habe mir schon sehr häufig gesagt, dass wir einfach zu viele Dinge besitzen – Tassen, Teller, Besteckteile, Küchengeräte, Tischdecken, Handtücher, Bettwäschegarnituren, Koffer, etc. Und ich habe auch schon des Öfteren Akten aussortiert, Bücher verkauft oder Altkleidung entsorgt. Aber im Großen und Ganzen wird es einfach nicht weniger bzw. es kommen immer mal wieder Dinge hinzu – vor allem, wenn man selbst der einzige in der Familie ist, der bestrebt ist, weniger zu besitzen.
Der nachhaltigste Weg, seinen Besitz zu reduzieren ist es wohl, endgültig defekte Geräte (Fernseher, Drucker, Stereoanlage, Küchenmaschine), kaputtes Geschirr und verbogene Besteckteile zu entsorgen – und nicht durch neue Teile zu ersetzen.
Bewusst Entscheidungen treffen, die den Besitz reduzieren
Viele Menschen haben sich inzwischen dafür entschieden, kein TV-Gerät mehr zu besitzen. Entweder weil das Programm der öffentlich rechtlichen Sender sie nicht anspricht und sie kein Geld für private Fernsehprogramme ausgeben wollen. Oder weil der Fernseher im Prinzip ein Bildschirm ist und man heutzutage Filme streamen und mit einem Beamer an die Wand projizieren oder auch ein Tablett zum Filme- und Nachrichtenschauen verwenden kann. Eine große DVD- oder Videokassettensammlung ist heute ebenfalls nicht mehr zeitgemäß, da zahlreiche Filme online oder über Streaming-Dienste erhältlich sind.
Dasselbe lässt sich auch bezüglich großer Hifi-Anlagen und umfangreicher CD-Sammlungen sagen. Bei YouTube oder Spotify bzw. auf dem MP3-Player sind die meisten Musiktitel heute online und digital verfügbar.
Wer seinen Besitz reduzieren möchte, kann viele Unterlagen digitalisieren und so Platz sparen. Dafür benötigt man allerdings ein tragbares Gerät wie einen Laptop oder ein Tablet, Internetzugang sowie idealerweise ein Solarpanel oder eine andere unabhängige Stromquelle zum Aufladen. Ob sich die Digitalisierung lohnt, hängt daher auch vom eigenen Lebensstil und den technischen Möglichkeiten ab.
Auch bei Büchern lässt sich oft viel Ballast abbauen. Auf Comics und Romane, die man bereits mehrfach gelesen hat, Geschichtsbücher, Atlanten, Wörterbücher oder wissenschaftliche Abhandlungen kann man meist verzichten, da sie bei Bedarf in öffentlichen Bibliotheken oder digital verfügbar sind. Wer bewusst reduziert lebt, muss nicht jedes Buch dauerhaft im eigenen Regal aufbewahren. Man kann sich stattdessen zum Beispiel auch einen E-Book-Reader kaufen, auf dem tausende Bücher Platz haben.
Etwas anders verhält es sich mit Büchern, die im Alltag einen praktischen Nutzen haben. Gesundheitsratgeber, Pflanzen- und Tierbestimmungsbücher, Kochbücher, Survival-Literatur, Do-it-yourself-Ratgeber oder eine gedruckte Landkarte können in einem naturnahen oder autarken Leben durchaus wertvolle Begleiter sein – insbesondere dann, wenn gerade kein Internet verfügbar ist.
Auf so manch innovativen Küchenhelfer, der in der Werbung angepriesen wird, kann man gleichfalls verzichten. Was eine teure Küchenmaschine mechanisch erledigt, lässt sich – wenn auch mit etwas Muskelkraft – durchaus per Hand verrühren. Das Brot aus dem Brotbackautomaten wird im Backofen genauso knusprig. Frittieren kann man auch in einem großen Kochtopf. Und fürs Frühstücksei, Risotto oder flockiges Popcorn extra einen speziellen Apparat anzuschaffen, anstatt Topf und Pfanne dafür zu verwenden, ist nicht unbedingt notwendig.
Im Bad wiederum kann man auf feste Seifen und festes Shampoo anstatt große Mengen Duschgel und Flüssigseife setzen. Und es lohnt sich auf jeden Fall immer zu überlegen, ob man die breite Palette an angebotenen Kosmetika oder eine ganze Parfümsammlung überhaupt braucht.
Aber auch im Schlafzimmer braucht man keine riesige Schrankwand oder gar einen begehbaren Kleiderschrank: Statt unzählige perfekt aufeinander abgestimmte Outfits zu besitzen, setzen viele Menschen mit einer Kapselgarderobe (Capsule Wardrobe) auf wenige, zeitlose Kleidungsstücke in harmonierenden Farben und Schnitten. Dadurch lässt sich nahezu jedes Oberteil mit jeder Hose, jedem Rock oder jeder Jacke kombinieren. Das spart Zeit, reduziert Fehlkäufe und macht einen großen Kleiderschrank überflüssig.
Viele Menschen, die ihren Besitz bewusst reduzieren, verzichten außerdem auf typische Status- und Luxusgüter. Statt teure Markenprodukte zu kaufen, entscheiden sie sich für funktionale, langlebige Alternativen, die ihren Zweck ebenso gut erfüllen. Schmuck, Luxusuhren oder Designerhandtaschen verlieren an Bedeutung, wenn nicht das äußere Erscheinungsbild, sondern der praktische Nutzen im Vordergrund steht. Ebenso wird der Konsum hinterfragt: Anstatt regelmäßig neue Kleidung, Technik oder Einrichtungsgegenstände zu kaufen, werden vorhandene Dinge möglichst lange genutzt, repariert oder gebraucht erworben. Der Wert eines Gegenstandes bemisst sich dann nicht mehr an seinem Preis oder seinem Markenlogo, sondern daran, wie nützlich, hochwertig und langlebig er ist. So treten Statussymbole zunehmend in den Hintergrund und machen Platz für einen bewussteren und nachhaltigeren Lebensstil.
Was braucht der Mensch zum leben?
Die Antwort auf diese Frage fällt deutlich einfacher aus, als man zunächst vermuten würde. Im Grunde müssen nur die grundlegenden Bedürfnisse erfüllt werden: Schutz, Wasser, Nahrung, Wärme, Gesundheit und einige Werkzeuge, um den Alltag zu bewältigen.
An erster Stelle steht ein sicherer Schlafplatz, der Schutz vor Wind, Regen und Kälte bietet. Das kann eine Hütte, eine Jurte, ein Tipi, ein Tiny House oder auch eine einfache Gartenhütte sein. Ebenso unverzichtbar ist sauberes Trinkwasser – sei es aus einer Quelle, einem Brunnen oder über eine Regenwasseranlage mit geeignetem Wasserfilter.
Für die Zubereitung von Nahrung und zum Heizen braucht es eine Möglichkeit, Feuer zu machen, etwa einen Holzofen, eine Feuerstelle oder einen Raketenofen. Dazu gehören auch einige einfache Kochutensilien wie ein Topf, eine Pfanne, ein Wasserkessel sowie Besteck und Geschirr. Wetterfeste Kleidung schützt vor Kälte, Nässe und Sonne und sollte robust genug sein, um viele Jahre genutzt werden zu können.
Einige wenige Werkzeuge reichen aus, um viele Aufgaben zu erledigen. Ein gutes Messer ist wohl das vielseitigste Werkzeug überhaupt – zum Kochen, Schnitzen oder für Reparaturen. Eine Axt oder ein Beil wird zum Brennholzmachen benötigt, während ein Spaten beim Gärtnern, Pflanzen oder für kleinere Bauarbeiten unverzichtbar ist. Hinzu kommen Behälter für Wasser und Lebensmittel, etwa Kanister, Eimer, Gläser oder Vorratsdosen, sowie eine gut ausgestattete Erste-Hilfe-Ausrüstung, um kleinere Verletzungen versorgen zu können.
Wer möglichst unabhängig leben möchte, ergänzt diese Grundausstattung um Saatgut und einfache Gartengeräte wie Gießkanne, Hacke, Rechen oder Schubkarre. Damit lässt sich ein Teil der eigenen Nahrung selbst anbauen und die Versorgung langfristig sichern.
Seinen Besitz weitgehend zu reduzieren bedeutet jedoch nicht, auf Komfort oder Lebensqualität zu verzichten. Vielmehr geht es darum, bewusst in wenige, hochwertige Gegenstände zu investieren, die regelmäßig genutzt werden und lange halten. Dazu gehören beispielsweise ein bequemes Bett oder eine hochwertige Schlafunterlage, ein scharfes Kochmesser, robustes Werkzeug und warme Kleidung. Je nach Lebenssituation können auch ein zuverlässiges Fahrrad oder Auto, ein Smartphone oder Laptop für Kommunikation und Arbeit sowie einige ausgewählte Bücher oder ein Musikinstrument zur persönlichen Lebensqualität beitragen.
Letztlich braucht der Mensch weit weniger Dinge, als Werbung und Konsumgesellschaft oft vermitteln. Entscheidend ist nicht die Menge des Besitzes, sondern ob die vorhandenen Gegenstände einen echten Nutzen erfüllen. Wer sich auf das Wesentliche konzentriert, gewinnt häufig nicht nur Platz und Geld, sondern auch Zeit, Freiheit und Unabhängigkeit.
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