Piwo
Zum ersten Mal in Kontakt mit Haustieren kam ich bei meinen Großeltern in Ostberlin. Die hatten einst einen kleinen schwarzen Cocker-Spaniel-Welpen adoptiert, da er in seinem ursprünglichen Zuhause immer auf dem Parkett wegrutschte und dort nicht leben konnte. Mein Opa hatte ihn augenzwinkernd „Piwo“ getauft – das ist Russisch für Bier; vermutlich, weil Opa gern Bier trank. Immer wenn wir zu Besuch waren, dann freute der Hund sich tierisch, wedelte mit dem Schwanz, vollführte einen Tanz um sich selbst und bellte laut. Das fand ich als Kind eher unheimlich, da ich ja selber noch klein war, der Hund etwas streng roch und das Gebell für mich zu laut war. Auch meine Mutter ging gegenüber Hunden eher auf Abstand, da ein deutscher Schäferhund meinen Cousin mal in den Allerwertesten gebissen hatte.
Tom
Dafür brachte mein Vater aber eines Tages einen kleinen getigerten Kater mit nach Hause. Eine Arbeitskollegin von ihm hatte das Kätzchen aus dem Urlaub in der Tschechoslowakei mitgebracht, dann aber festgestellt, dass der arme Kerl den ganzen Tag allein zu Hause war. Und da sie ihm das nicht länger antun wollte, gab sie ihn meinem Vater. Für mich und meine Schwester war das Tier die reine Freude. Mit dem größten Vergnügen gaben wir ihm Trockenfutter der Marke „Brekkies“ zu fressen (das wir auch mal selbst probierten). Das Nassfutter hingegen roch ziemlich streng, ebenso wie das Katzenklo – eine alte Blumenanziehschale, die wir regelmäßig mit Sand befüllten. Am liebsten hatten wir aber, wenn er abends zu uns ins Bett krabbelte oder es sich im Wohnzimmer auf unserem Schoß gemütlich machte. Unsere Eltern schlugen die Hände über dem Kopf zusammen, wenn unser „Tom“ mal wieder die Gardinen hinaufkletterte oder die Möbel zerkratzte. Bisweilen schmiss er auch einen Blumentopf vom Fensterbrett, aber seine Spezialität war es auf jeden Fall, einem das Bein mit den Vorderpfoten zu krallen und in die Wade zu beißen. Immerhin war er in Tschechien auf einem Bauernhof groß geworden, daher rührte wohl sein wilder Charakter. Aber da traf es sich gut, dass wir im Sommer 1990 an den Berliner Stadtrand zogen, in ein Haus mit großem Garten (nun ja, am Anfang war es eine ziemliche Wüstenei). Da konnte Tom nach Herzenslust herumtoben und im Wald Mäuse fangen. Er war eigentlich den ganzen Tag draußen, genauso wie wir. Einmal brachte er sogar ein frisch geborenes Hasenjunges aus dem Wald. Wir versuchten unser Bestes, es mit Milch aufzupäppeln und zu wärmen. Aber es wollte einfach nicht trinken und verstarb nach wenigen Tagen. Auch unserem Tommy war kein langes Leben beschert. Er hatte Katzenkrebs und eines Tages fiel er, schwach wie er war, in den Gartenteich. Damit er nicht noch mehr leiden musste, brachte mein Vater ihn zum Tierarzt und Tom schlief friedlich ein …
Sammy
Nachdem Piwo gestorben war, lief meinen Großeltern – die im Sommer bei uns zu Besuch waren – ein roter Kater zu, der im Wald lebte und sie als seine neue Familie erwählte. Er verstand sich nicht sehr gut mit anderen Katzen, aber „Herr Miez“ wurde sehr alt. Nach Tommys Tod freundete auch ich mich mit einem dicken getigerten Kater an. Er hieß „Sammy“ und liebte es, von mir am Bauch gestreichelt zu werden. Da das Tier bei uns immer besseres Futter fand, wählte es uns als neue Familie. Eigentlich war sie die Katze der Freundin unseres Nachbarn und sie blieb auch, als diese Beziehung zu Ende ging. Da der Nachbar aber den ganzen Tag arbeiten musste und auch noch einen Hund hatte, der aber nur im Zwinger saß, unternahm Sammy Streifzüge durch die Nachbarschaft und begrüßte uns jeden Morgen draußen auf der Wohnzimmerfensterbank, oder auch direkt vor der Haustür. Wo er meiner Mutter dann durch die Beine schlüpfte, und seinen Weg direkt die Treppe hinauf in mein Bett fand. Ein paar Jahre später wurde Sammy leider von einem Auto angefahren. Aber zu unser aller Überraschung schleppte er sich nicht zu uns, sondern zu seinem Freund, dem Nachbarshund – wo ihn unser Nachbar schließlich abends leblos auffand.
Mucki
Zum ersten Mal in Kontakt mit Kaninchen kam ich, als wir im Frühjahr 1990 ins Siegerland fuhren, um die Verwandtschaft meiner Oma und meines Vaters zu besuchen. Sein Onkel war Hobbykaninchenzüchter. Er hatte in seinem Garten einen langen Schuppen mit lauter Kaninchenställen. Dort war ich oft, streichelte die schönen Tiere oder gab ihnen Heu und Löwenzahn zu fressen. Wir selbst kamen kurze Zeit später eher unfreiwillig zu unserem ersten Kaninchen: Eines Tages stoppte ein Auto auf der Straße vor unserem Grundstück und ein Mann kippte ein Russenkaninchen aus einem Karton über unseren Zaun. Mein Vater beobachtete die Szene durch das Fenster in seinem Arbeitszimmer. Und als er vorne an der Straße ankam, war das Auto schon längst auf und davon. Wir nahmen das Kaninchen gern bei uns auf, hatten aber gar keine geeignete Behausung. Daher nahmen wir es mit in Vaters Arbeitszimmer, wo es aber schon bald begann, sämtliche Elektrokabel anzuknabbern. In der Zwischenzeit sammelte meine Mutter frisches Gras und Löwenzahn und besorgte aus dem Kühlschrank ein paar Möhren. Und mein Vater zimmerte aus ein paar alten Brettern und Hasendraht – den er für seine Beete gekauft hatte – einen ganz ordentlichen Stall. Den stellten wir auf einen Tisch auf unsere überdachte Terrasse, die einmal später zum Wintergarten ausgebaut würde. Dort lebte unser „Mucki“ – so nannten wir unseren neuen Mitbewohner – zunächst allein. Später brachten wir ihn in einen alten Schuppen um, wo mein Vater auch noch einen Lattenzaun aufstellte, sodass er Freilauf hatte.
Meine Eltern waren fortan das ganze Jahr über beschäftigt, Heu zu ernten und zum Trocknen einzulagern. Und wir Kinder sammelten immer fleißig Löwenzahn, brachten dem Kaninchen Möhren oder alte Brotkanten, die wir auf der Heizung trockneten, sodass sie ganz hart wurden. Mucki verlebte ein paar schöne Jahre bei uns. Als er gestorben war, überredeten wir unsere Eltern, noch einmal Kaninchen zu holen. Mein Vater brachte schließlich zwei neue Kaninchen mit nach Hause – und der Besitzer drängte ihn außerdem, unbedingt auch ein „unfreundliches“ schwarzes Zwergkaninchen mit zu kaufen. Siehe da, schon waren wir stolze Besitzer einer kleinen Rasselbande von drei Kaninchen!
Als das Zwergkaninchen gestorben war und eines der beiden anderen Kaninchen sich den Fuß brach, blieb am Ende nur noch sein Bruder übrig. Auch diese Geschichte machte uns traurig, und wir entschieden uns schließlich, vorerst keine Kaninchen mehr anzuschaffen.
Sascha
Als ich mit meiner Lebensgefährtin und ihrer Tochter im Jahr 2019 in mein ehemaliges Elternhaus zog, reifte in uns die Idee, uns einen Hund anzuschaffen. Meine Partnerin und ich wollten einen großen Hund, der Haus und Hof beschützen konnte. Aber wir überlegten auch, ob wir nicht eher einen kleinen Hund kaufen sollten, als Gefährten für die Tochter meiner Freundin. Den Ausschlag gaben dann aber die Gespräche mit meiner Cousine, die zwei Häuser weiter wohnt und damals einen sehr lieben belgischen Schäferhund hatte. In der Zeitung lasen wir dann im Sommer 2020, dass unweit von Gransee ein Berner-Sennenhund-Welpe zum Verkauf stand. Also fuhren wir mit dem Sohn meiner Cousine dorthin. Unsere Hündin Sascha hatte eine kleine dicke Schwester, die ihr offensichtlich immer das Futter wegfraß. Nachdem ihr Vater mich freudig begrüßt hatte, kam auch Sascha sofort zu mir und wuselte um meine Beine. Von der Besitzerin erfuhren wir, dass nur diese kleine Hündin zum Verkauf stand – die dicke Schwester war bereits vergeben. Wir nahmen das als Wink des Schicksals und fuhren freudestrahlend mit dem kleinen Wesen im Arm zurück nach Hause. Seit beinahe 6 Jahren lebt meine Hündin nun bei uns, und ich bin so oft wie möglich draußen bei ihr – gemeinsam im Garten. Oder aber wir gehen übers Feld, am Waldrand entlang bis zu einem wunderschönen See, der in einem Wäldchen liegt. Diese Spaziergänge sind für mich Entspannung pur, und dort im Wald am See kann ich die Seele baumeln lassen.
Shogun
Die Jahre 2022 / 2023 waren eine schwierige Zeit für uns. Zu Weihnachten 2021 kamen die Eltern meiner Freundin aus Rumänien zu Besuch. Sie blieben ein paar Monate. Mein Schwiegervater in spe half uns viel im Garten, und er begleitete mich auch auf meinen Spaziergängen mit dem Hund. Aber dann im Februar 2022 erkrankte er schwer und verstarb schließlich im Sommer. Seine Frau kam nicht über seinen Tod hinweg, und ein Jahr später musste ich erfahren, dass auch sie an Krebs erkrankt war. Das machte mir schwer zu schaffen. Im Jahr 2022 hatte ich Yoga, Meditation und Aromatherapie für mich entdeckt – das rettete mich über die schwere Zeit, verschaffte mir Ruhe, und ich erkannte, wie wichtig es ist, im Einklang mit der Welt um einen herum und naturverbunden zu leben. Zu sich selbst gut zu sein. Aber im Sommer 2023 trafen mich Kreuzschmerzen wie ein Schlag, und sie wollten einfach nicht mehr vergehen. Ich ging weiter mit dem Hund spazieren, entdeckte mein Interesse für das naturverbundene Leben der Indianer neu. Aber die Schmerzen quälten mich bei jedem Schritt. Ich wusste, es war der ganze psychische Stress, der mich zu Boden streckte. Als meine Schwiegermutter schließlich im Februar 2024 verstarb, wurde es sehr still bei uns zu Haus. Meine Freundin und ihre Tochter sprachen wochenlang kaum noch ein Wort. Da wusste ich, wir brauchten eine gemeinsame Aktivität – und erinnerte mich, dass mir einmal ein Neurologe empfohlen hatte, Hippotherapie zu betreiben.
Also begab ich mich auf die Suche nach einem Therapieplatz, in der Hoffnung, etwas gegen meine Rückenschmerzen tun zu können. Aber diese Plätze sind rar. Eine Hippotherapeutin empfahl mir dann, doch einfach das Freizeitreiten auszuprobieren. Und wir fanden schließlich einen Reiterhof in der Nähe von Bernau. Dort lebten an die 30 Tiere – private Einstellpferde und Schulpferde – in einer großen Herde zusammen. Sie hatten viel Platz, mehrere Boxen- und Offenställe sowie mehrere Hektar Weideland gehörten zu dem Hof, der am Rande eines großen Waldes lag. Zuerst ritt ich auf einem gutmütigen alten Hengst. Aber mein bester Freund wurde Shogun, ein Brandenburger Warmblut. Auf seinem Rücken fühlte ich mich, als ob ich durch die Prärie reiten würde, oder die Rocky Mountains. Schon nach den ersten Reitstunden verschwanden meine Rückenschmerzen. Ich genoss es, die Tiere von der Weide zu holen, sie zu putzen und zu streicheln, ihnen das Zaumzeug und den Sattel anzulegen, und schließlich die halbe Stunde Reitunterricht, bei jedem Wetter. Die Arbeit mit Shogun war die beste Therapie für mich – und ich fühlte mich immer mehr mit der Natur verbunden. Nach anderthalb Jahren wurde der Hof allerdings verkauft, der Besitzer der Tiere, der den Hof gepachtet hatte, ging in Rente – und wir mussten am Ende dieses schöne Hobby aufgeben. Zum einen, weil wir keinen passenden Reiterhof in der näheren Umgebung mehr fanden. Und zum anderen schlug die Inflation zu, was das Freizeitreiten erheblich verteuert hat. Aber ich bin dankbar für diese wunderbare Erfahrung!
Wie ich trotzdem zurück zu einem gesünderen Leben mit viel Bewegung fand, beschreibe ich in diesem Artikel.
Tommy und Mila
Unsere neuesten tierischen Mitbewohner sind die 4 Monate alten British-Shorthair-Katzen Tommy und Mila. Noch dürfen sie nicht nach draußen, aber sobald sie kastriert sind, können auch sie die schöne Umgebung und den Garten erkunden. Da ich im Homeoffice arbeite und den ganzen Tag zu Hause verbringe, bin ich zu ihrer ersten Bezugsperson geworden. Nachts schlafen sie bei mir im Bett, und tagsüber toben sie durch das Haus oder liegen eng aneinander gekuschelt in einer Ecke des Hauses, oder auch mal getrennt. Wir haben uns dafür entschieden, zwei Katzengeschwister zu holen – einen Kater und eine Katze. So sind sie nicht so allein, während wir den Tag über unserer Erwerbstätigkeit nachgehen.
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